Testament eines Eichbeamten

Dieses Gedicht, dessen Verfasser unbekannt ist, wird am gemütlichen Vorabend anlässlich einer Versammlung vorgetragen worden sein. Es gehört zu einer Serie von Liedern, Vorträgen und Gedichten, die von Eichbeamten für die Kollegen verfaßt wurden. Davon sind heute nur noch wenige vorhanden.

Testament eines Eichbeamten

Wenn Stempel ich einst nicht mehr führe,
wenn ich zur letzten Ruhe sank,
dann weiht mir alle Sorten Biere
in Litermaßen fein und blank.

Die Stempel drückt mir in die Hände,
sie waren stets mein Heiligtum.
Wenn ich sie einmal nicht mehr fände,
ich drehte mich im Grabe um.

Die Eichordnung gebt mir mit, die neue,
dazu auch noch die Instruktion.
Und auch die 1. bis zur 12. Reihe,
wenn sie auch arg verlesen schon.

Die Lupe dürft Ihr nicht vergessen,
auch nicht die Wasserwaage fein.
Den Maßstab brauche ich zum Messen,
wie könnte es wohl anders sein.

Und dann vor allem eine Feile,
gar scharf und fein mit sechstem Hieb.
Damit ich prüf' bei Langeweile,
wo Schneid' und Pfanne weich noch blieb.

Und auch die nöt'gen Formulare,
auf Säumigenlisten ich verzicht'.
Die bleichten früh schon meine Haare,
denn Säumige gibt's im Himmel nicht.

Die Tankanlage sei mein Ehrenmal!
Den Rücklaufhahn doch setzet blind,
weil Rücklaufhähne hier im Erdental
mir Schreckgespenst gewesen sind.